Tourenberichte 2015

Tourenbericht „Bandspitz“ 7. Februar 2015

Teilnehmer: Daniel Oberli (Guide), Therese Gertsch (Tourenleiterin), Ursula Zwahlen, Heidi Ulrich, Stephanie Bieri, Patrick Hammel (JO), Madeleine Bieri (Verfasserin Tourenbericht)

Treffpunkt: BOB. Gemütlich schaukelten wir ab Interlaken durch den Nebel und sammelten in Wilderswil und Zweilütschinen nach und nach alle Teilnehmenden ein. In Grindelwald war die Schlange an der Firstbahn noch kurz. Dennoch waren gewisse Leute offenbar bereits hochgradig im Stress – anders lässt sich der entrüstete Ausruf „Muss das wirklich sein?!“ einer Snowboarderin in der Gondel kaum erklären, als sich die Schreibende auf den leeren Platz neben ihr setzte. Das tangierte uns aber eher marginal, denn zwischen Bort und Schreckfeld durchstiess die Bahn die Nebelschicht und wir hatten den freien Morgenhimmel über uns, da hatte der Stress der Niederungen keinen Platz mehr.
Auf der First gab Dani das Programm durch und wir starteten – nein, nicht Richtung Faulhorn, sondern Richtung Grosse Scheidegg, denn aufgrund der Lawinen- und Schneesituation hatten Dani und Therese beschlossen, das Programm zu ändern. Über noch leere Pisten fuhren wir zuerst ein Stück ab, querten dann in den Tiefschnee und montierten schliesslich die Felle. Am Grat zum Gemschberg entdeckten wir, nomen est omen, die ersten Gämsen; es sollten bei weitem nicht die letzten sein. Hinter der Grossen Scheidegg ging es etwas hinunter zur Alp Oberläger – ab da waren wir an der Sonne und sogleich wurden Jacken ausgezogen und Ärmel hochgekrempelt. Dani spurte in angenehmer Steigung in nördlicher Richtung die Hänge hinauf und baute dabei die eine oder andere Spitzkehre ein, damit nur ja niemand aus der Übung kam.
Beim oder ev. auch auf dem Hornseeli schoben wir eine Pause ein, denn es bringt ja nichts, den ganzen Proviant auf den Gipfel und wieder hinunter zu tragen. Überall auf den Gratrücken mit wenig Schnee gab es Scharrspuren von Gämsen. Die Tiere können im Winter ihr Essen nicht einfach aus dem Rucksack ziehen und einen Schlafplatz an der Wärme haben sie auch nicht. Umso wichtiger ist es, dass Skitouren- und Schneeschuhgänger die Wildschutzzonen beachten und sich in diesen strikt an die offiziellen Routen halten, um den Tieren im Winter nicht noch zusätzlichen Stress zu machen. Die aktuellsten Informationen zu den Wildschutzzonen sind auf dem Internet zu finden, zum Beispiel unter www.wildruhezonen.ch – ein Muss für jede Tourenplanung.
Nach der Pause ging‘s „nicht mehr so weit, wie es schon war“ nochmals ein Stück aufwärts bis auf einen schönen Gupf, den Dani zum Tourenziel erklärt hatte: der Bandspitz. Kurz nach uns kam noch ein Einzelgänger von der Schwarzwaldalp her, so dass die komplette Gruppe aufs Gipfelfoto konnte (ausser derjenigen, die sich hinter allen anderen versteckte).
Und dann … ja, dann kam der ultimative Pulverschneerausch über noch unverspurte Hänge west- und nordseitig hinunter. Juhuuu! „Old school“ ( = möglichst viele Schwünge auf möglichst kleiner Fläche) neben „neuer Generation“ ( = schöne weite Bögen auf breiten Latten) provozierte eine intensive Stildiskussion ohne definitives Ergebnis. In der Erlenstrauch- und Alpweidenzone ging’s dann nicht mehr sosehr um Stil, sondern mehr darum, nicht im Gestrüpp steckenzubleiben oder in ein Loch zu fallen, erst recht, da uns der Nebel wieder einholte und die Sicht schlechter wurde.
Auf der Schwarzwaldalp war’s vorbei mit dem freien Pulverschneefahren, ab da war Schlittelweg angesagt, inklusive langer Stöckelstrecken (sofern man nicht einen netten Autofahrer mit Anhängerkupplung und Seil als Schlepplift anheuern konnte …). Weiter und weiter und immer noch weiter hinunter ging es bis ganz ins Tal. Zwar nicht gerade bis aufs Bahnperron in Meiringen, aber die abschliessende Viertelstunde Skitragen bis dort war nach dieser langen Abfahrt vernachlässigbar. Bei Kaffee, Tee und heisser Schoggi liessen wir einen tollen Tourentag ausklingen, bevor uns die GoldenPass Line gemütlich zurück nach Interlaken brachte.
Herzlichen Dank, Dani und Therese, für die perfekte Organisation, Führung und Tourenzielentscheidung!

 

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