Tourenberichte 2013

Giglistock 26. April 2013

Bergführer: Daniel Oberli Teilnehmer: Madeleine Bieri (rasende Reporterin), Therese Gertsch (Tourenleiterin)

Ja, das verflixte Wetter…da hatte Therese die perfekte 3-Tages-Tour im Jungfraugebiet geplant, mit dem Finsteraarhorn als Höhepunkt am Samstag, und dann verhiessen alle Wettermodelle schlechte Verhältnisse mit Wolken und Föhnsturm in der Höhe ab Freitagmittag. Statt zu resignieren und ganz abzublasen, machten Therese und Dani das Beste aus der Situation und disponierten komplett um: Treffpunkt schon am Donnerstagabend, um am Freitagvormittag das prognostizierte föhnbedingte Halb-Schönwetterfenster noch ausnützen zu können. Das war leider nicht für alle logistisch möglich, so dass schliesslich nur drei letzte Mohikaner gegen den Sustenpass fuhren. Beim Feldmoos war fertig Autofahren, die restliche Strecke legten wir im schönsten Abendsonnenschein auf der Passstrasse auf Skis zurück. Im Steingletscher erwarteten uns eine – der noch geschlossenen Strasse sei Dank – sehr ruhige Unterkunft, ein feines Abendessen und die Gruppenleiter des am Freitagmittag beginnenden Bergführer-Aspirantenkurses. Sagen wir es mal so: Die Hüttenruhe begann etwas später als eigentlich vorgesehen und üblich. Am nächsten Morgen um 04:45 Uhr waren schon die ersten Wolken am Himmel und die Schneedecke war dementsprechend nicht richtig gefroren. Dennoch zogen wir zuversichtlich Richtung Umpol und Steinlimigletscher los, denn wir hatten uns angesichts der unsicheren Wetterlage für die kürzere Tour auf den Giglistock entschieden, statt fürs Sustenhorn oder den Tierberg. Irgendwie verging die Zeit unheimlich schnell – vielleicht sind wir aber auch einfach schnell gelaufen. Auf jeden Fall hatten wir plötzlich schon die Schlüsselstelle (steiler Querung mit zwei Spitzkehren) und die oberen Hänge hinter und den Gipfel direkt vor uns. Der Wind legte zu, als Folge davon riss ein Föhnloch auf und wir konnten auf dem Gipfel tatsächlich Sonne geniessen, allerdings war es ringsherum sehr grau. Per SMS stellte sich heraus, dass es zeitgleich in Bern bereits regnete. Deshalb versäumten wir uns nicht lange, sondern Dani rekognoszierte, womit wir schon am Vorabend spekuliert hatten, ob die Abfahrt direkt die Nordflanke hinunter auf den Taleggligletscher möglich wäre (statt die auf der Tourenkarte eingezeichnete Umfahrung des Gipfelaufbaus). Er kam zum Schluss „Augen zu und direkt runterspringen“. Nein, halb so wild, dank einer gut „getäppelten“ Spur von Dani zwischen den Steinen hindurch, meisterten wir das oberste Stück und kamen wie geplant auf den Gletscher, wo uns in einer steilen Nordexposition tatsächlich noch einige Schwünge Pulverschnee erwarteten. Sobald es flacher wurde, wechselte der Pulver zu schönem Firn, jedenfalls in den oberen Hängen. Weiter unten jedoch endete es mit Sumpfskifahren, wobei es im untersten Teil eher wieder besser wurde. Wer genug Kraft hatte, schaffte dort sogar Kurzschwingen. Dani führte uns geschickt um Erlenbüsche, Lawinenkegel und verschneite Hütten herum in den Talboden etwas unterhalb des Steingletschers und weiter dem Bach entlang. Tannenslalom, Asthaufenumfahrung, Über-den-Bach-Weitsprung, Saugnapf-Schnee, Tunneldurchquerung … ja über mangelnde Abwechslung konnten wir uns nicht beklagen. Wir hatten viel Anlass zum Lachen. Nach knapp 10 Minuten Gegenanstieg auf dem alten Saumweg erreichten wir schliesslich beim „Saageli“ die Passstrasse und Dani ging heroischer Weise das Auto im Feldmoos oben holen. Vielen Dank!

Madeleine Bieri

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