Tourenberichte 2013

GRAND CORNIER 12.+13. JULI 2013

Bergführer: Dani Oberli Teilnehmer: Maria Merz, Martin Schmied Tourenleiter: Madeleine Bieri

Für einmal waren die Wetterprognosen schon Tage im Voraus klar, so dass wir am Freitagmorgen zuversichtlich von Interlaken bzw. Bern aus Richtung Wallis starteten. In Visp setzten wir uns in den Zug nach Sion und dort ins Postauto nach Ferpècle im Val d’Hérens – für Berner Oberländer eher Neuland. Mit schweren Rucksäcken machten wir uns dann an den langen Aufstieg Richtung Bivouac au Col de la Dent Blanche. Viele Höhenmeter, viele Wegkehren, viele Steine und Moränenreste und schliesslich ein Gletschersee an der Schneegrenze – dort wurde auf Hochgebirge umgerüstet, sprich: lange Hosen und Gamaschen an, Gstältli montieren, anseilen. Bis wir dann aber das Biwak auf rund 3500m ü.M oben endlich sahen, war noch einiges an Schneestampfen & in-der-Nachmittagshitze-gekocht-werden angesagt. Kaum beim Biwak, wie könnte es anders sein, verschwand die Sonne und es nebelte ein. So verzogen wir uns in den Schutzraum und holten aus unseren Rucksäcken, was sie so schwer gemacht hatten: Kocher, Gas, Lebensmittel. Wir hatten damit gerechnet, Schnee schmelzen zu müssen, aber nach einiger Pickelei fanden wir tatsächlich genug fliessendes Wasser, um Suppe und Tee im Überfluss kochen zu können. Ein gemütlicher Abend im Biwak mit selbstgekochtem Menu – das allerdings noch etwas besser geschmeckt hätte, wenn der eingekaufte Reibkäse nicht zu Hause im Kühlschrank der Tourenleiterin zurückgeblieben wäre… Das Zmorge frühmorgens bestand aus Brot und den Güetziresten vom Vorabend. Danach gings in der Dämmerung los gegen den Südwestgrat des Grand Cornier. Zuerst steil den Firn hinauf, dann mit Steigeisen auf die Felsen – und dann gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang genau zwischen Schalihorn und Weisshorn. Der Schaligrat dort drüben wäre auch mal was … aber eigentlich hatten wir mit dem Grand-Cornier-Grat genug zu tun: Kletterstellen wechselten sich ab mit Gehpassagen. Für eine Weile konnten wir die Steigeisen im Rucksack verstauen – allerdings mussten sie gegen das Ende der Tour, natürlich genau zu den schwierigeren Kletterstellen, wieder an die Schuhe. Es lag doch noch mehr Schnee als erwartet, die Wächten verlangten Vorsicht. Nach luftiger Turnerei und einigem Auf und Ab erreichten wir schliesslich den knapp nicht 4000m ü.M. hohen Gipfel – und waren noch lange nicht am Ende der Tour, denn die luftige Turnerei ging auf der Abstiegsroute über den Nordwestgrat gleich weiter, mehrmaliges Abseilen inklusive. Endlich erreichten wir das Ende der Felsen – und konnten dank dem vielen Firn bequem einen Steilhang hinunterlaufen, der normalerweise immer ausgeapert und vereist ist. Auch den ganzen Glacier de Moiry hinunter gings zackig, Schnee sei Dank. In der wunderschön gelegenen Cabane de Moiry hielten wir uns nicht lange auf, da wir unten an der Station „Glacier“ das letzte Postauto erwischen wollten, mussten wir auf das Bier verzichten – auf den Zusatzweg entlang des ganzen Stausees hatte niemand Lust. Zügig gings den Hüttenweg hinunter und dann auf die Rückreise, die verlief allerdings wesentlich weniger zügig, wegen schlechter ÖV-Anschlüsse. Immerhin erlaubte uns ein längerer Zwischenhalt, das wohlverdiente Bier nachzuholen und mit einer währschaften Käse-Schinken-Eier-Crêpe zu garnieren. Alles in allem: eine geniale, aber lange, anspruchsvolle Tour in wilder Umgebung mit einem Hauch Abenteuer wegen der Biwakübernachtung. Merci Dani für die gute Leitung und allen fürs Mitkommen!

Madeleine Bieri

PS: Persönliche Mission der Tourenleiterin erfüllt – der im Jahr 1994 von einer Seilschaft der Sektion Pilatus geschlagene Haken wurde tatsächlich gefunden (und war noch brauchbar)…

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