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Kletterwoche Dolomiten - 22. - 28. August 2021

Bergführer:                Daniel Oberli

Tourenleiter:              Martin Schmied

Teilnehmende:          Stefanie Bieri, Christa Schwegler, Madeleine Bieri, Simone Remund

 

Sonntag – Anreise

In Wilderswil bei stürmischem Regen startete zu dritt die Anreise ins Südtirol. Nach der Fahrt über den Brünig wurde Christa von Dani, Martin und Steffi in Horw aufgeladen. Am Bahnhof Sargans gab es einen Kaffeehalt bei welchem Madeleine zu uns stiess. Ohne Stau ging die Reise über die Landesgrenze ins Fürstentum Liechtenstein, weiter nach Österreich und über den Brenner nach Italien, wo wir am Bahnhof Brixen Simone abholten. Nun war die Gruppe komplett! Gemeinsam trafen wir gut eine Stunde später und voller Vorfreude auf die kommenden Klettertage in Wolkenstein ein.

 

Montag – Sellaturm I + II -- Sellagruppe

Nach einer gewitterhaften Nacht machten wir uns mit dem örtlichen Bus zum Sellajoch. Simone und Madeleine kletterten an der schattigen, kalten Westkante auf den Sellaturm I, währenddessen Martin und Steffi, sowie Dani und Christa die warme Südostwand bevorzugten, um den ersten Gipfel zu erreichen. Vorteilhafterweise waren für diese Route alle genügend gross, um am Ende der sechsten von sieben Seillängen, den Zwergentod überwinden zu können.

Nach einer kurzen Verpflegungspause machten wir uns alle gemeinsam auf den Weg zum Sellaturm II, wobei jede Seilschaft eine andere Route erkletterte, um am Ziel anzukommen.

Der Abstieg funktionierte problemlos, die italienische ÖV jedoch nicht. An der Haltestelle liess der Bus über eine Stunde auf sich warten, obwohl es laut Fahrplan nur fünf Minuten hätten sein sollen. Es sollte nicht der letzte lange Tag werden in dieser Kletterwoche.

 

Dienstag – Kleine Fermeda -- Geislergruppe

Nach einem Kaltstart, bei welchem sich einige von uns in den Zustiegschuhen mit der leicht feuchten, ersten Kletterstelle abmühten, liefen wir an vielen Edelweissen vorbei zum eigentlichen Einstieg. Danach ging es in einfacher Kletterei via «Kaminführe» an der Südwand hoch auf die Kleine Fermeda. Beim Abstieg regnete es das erste und einzige Mal auf einer unserer Touren. Nicht alle benötigten deswegen eine Regenjacke, sondern vertrauten auf ihre schnelltrocknende Kleidung, sowie die nahende Aufhellung am Horizont.

 

Mittwoch – Mittelfinger der Fünffingerspitze -- Langkofelgruppe

Gemächlich gondelten wir mit der einzigartigen Zweiergondel zur Langkofelscharte. Der Einstieg war jedoch keinesfalls gemächlich, sondern erfordert gewisse körperliche Fitness, um den Sprung durch die schmale Tür der stets gleich schnell fahrenden Gondel zu schaffen.

Bei einer Zustiegszeit von nur zehn Minuten bis zur Route «Normalweg» auf den Mittelfinger, erfolgte der zweite Kaltstart. Bei der ersten und zweiten Seillänge gab es ziemlich steiffe, kalte Finger an der beinahe senkrecht scheinenden Nordwand. Bei sicher einer Person kam kurz der Gedanke, ob es nicht doch gescheiter wäre sich abseilen zu lassen, um an der Sonne aufzutauen und die Wärme zu geniessen, bis der Rest der Gruppe von der Tour zurückkehrte. Glücklicherweise wurde dieser Gedanke rasch wieder verworfen und die nachfolgenden Seillängen erwiesen sich als etwas unbeschwerter und wärmer. Nacheinander trafen die drei Seilschaften mit Sonne im Gesicht auf 2996m.ü.M. ein.

Nach zehnmaligem Abseilen über die Aufstiegsroute erreichten wir die empfehlenswerte Zweiergondel und fuhren zurück ins Tal.

 

Donnerstag – Zahnkofel -- Langkofelgruppe

Heute trennten sich Simone und Martin von der Gruppe, um gemeinsam die schwierigere Route «Traumfänger» an der Sellapassstrasse zu erklimmen.

Die anderen vier machten sich auf den Weg mit dem Ziel «Zahnkofel». Unterwegs wurde dieses Ziel jedoch kurzerhand angepasst und hiess nun «östliche Plattkofelscharte».

Wie kam es dazu? Der Zustieg zur Kletterroute wurde im Kletterführer als «etwas mühsam» bezeichnet, dies schien uns jedoch bei genauerem betrachten leicht untertrieben. In Anbetracht der vorrückenden Zeit machten wir anstatt der Kletterei unsere Erfahrungen im wasserlosen Canyoning.

Um doch noch in die Kletterfinken steigen zu können nutzten wir den Klettergarten in der Steinernen Stadt nahe unseres Ausgangpunktes vom Morgen. Dort erfreuten wir uns am speckigen Felsen und den Routen, welche im vierten Grad bewertet wurden, jedoch eher einem fünften Grad glichen.

 

Freitag – Odla de Cisles -- Geislergruppe

Leider bereits der letzte Klettertag unserer Kletterwoche und eine tolle Tour mit ausgezeichnetem Felsen stand auf dem Programm. Auf dieser letzten Tour kletterten wir in einer zweier und dreier Seilschaft die Südostkante der Odla de Cisles hoch. Aufgrund der Temperaturvorhersagen wurde anfänglich befürchtet es gäbe kalte Finger und die Handschuhe kämen zum Einsatz, jedoch war diese Besorgnis unbegründet und es wurde ein sonniger, windstiller und warmer Tag. 

Dani hatte das Vergnügen mit Steffi und Christa am Seil zu sein und Madeleine hörte Dank dem Echo als letzte der zwei Seilschaften immer alles doppelt von dem hochstehenden Gerede der beiden Frauen. Nach anfänglicher Verwirrung bezüglich der Abseiltaktik verlief das zwölfmalige Abseilen hoch effizient. Wir schafften es noch vor Betriebsende auf die Col-Raiser-Gondelbahn und ein Fussmarsch ins Tal blieb uns erspart.

 

Samstag – Abreise

Die Rückfahrt verlief ohne grosses Verkehrsaufkommen und wir erreichten zügig die Schweiz. Nacheinander wurden die Teilnehmenden ausgeladen und wehmütig, da diese tolle Kletterwoche nun schon vorbei war, verabschiedeten wir uns voneinander.

 

Unsere Fazits der Woche

Das Garni-Hotel «Bel Vërt» in Wolkenstein ist top!

Köstliche Speisen standen in jedem der besuchten Restaurants zur Auswahl.

Bei den langen Tourentagen kamen der Kulturbereich und die Sightseeing-Tour eindeutig zu kurz, aber zum Glück reichte es stets auf die letzte Gondel, ein Apéro Getränk, sowie das Abendessen.

Ein Radler zu bestellen ist laut Einheimischen Bierquälerei, wir machten es trotzdem.

Wenn’s pressiert, dann pressierts wirklich und mit dem Abziehen der Schuhe wird bereits im Lift begonnen.

Globischuhe eignen sich optimal als Zustiegschuhe.

Steht im Kletterführer bei der Tour «Fels: gut bzw. mässig» wird sofort umgeblättert und eine Tour mit «Fels: ausgezeichnet» gesucht.

Bei so vielen Klettermöglichkeiten rund um Wolkenstein hätten wir problemlos unsere Kletterwoche verlängern können.

Die ganze Gruppe blieb unverletzt, der Gesprächsstoff ging nie aus und alle kamen mit tollen Klettererinnerungen nach Hause.

 

Danke Dani für den Fahrdienst und die wunderbaren, sicher geführten Klettertouren.

Danke Martin für die ganze Organisation und Realisierung der Kletterwoche – es hat Spass gemacht!

 

Der Tourenbericht ist ein Gemeinschaftswerk, geschrieben auf unserer Heimfahrt.